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Keszthely-Fenékpuszta

Eine spätrömische Befestigung

Geschichte

„Das kleine Schloss”

Das heutige Bild von Fenékpuszta ist durch das Festetics-Gutshof geprägt, dessen ersten Bauten Ende des 18. Jhs. im späten Barokkstil entstanden sind. Ihre Anordnung folgt einer räumlich Symmetrie: Im Zentrum steht das Hauptgebäude, nördlich und südlich davon Wirtschaftsbauten und Ställe. Zur Beginn des 19. Jhs. ordnete László Festetics den Umbau der Anlage im klassizistischen Stil an. Das Komplex bestand aber weiterhin aus drei Einheiten. In der Mitte lag das einstige Hauptgebäude, das heute als „Kleinschloss” bekannt ist: über dessen mittleren Trakt baute man ein zweites Geschoss, in dem das Zimmer des Grafes eingerichtet wurde. Der nördliche und südliche Flügel als weitere Einheiten bestanden aus jeweils vier Höfen und entsprechenden Ställen.

Fenékpuszta in der Neuzeit

„Gutshof, Leinenfabrik und Sozialwohnung”
„Puszta” bedeutet im Ungarishen nicht nur unbewohnten, wüst gefallenen Landschaft bzw. Siedlung. Die während des 18.-19. Jhs. sich herausbildende Geographie grenzte die „Puszta” als ein eigener Siedlungstyp ab. Diese Siedlungen bzw. Siedlungsteile waren kleiner als Dörfer und stark mit dem Großgutsbesitz verbunden. Ihre Einwohner waren in der Regel keine Bauern mit eigenem Grund, sondern Angestellte, die gegen Logie und Zahlungen die landwirtschaftliche und handwerkliche Arbeiten um und am Gutshof erledigten. Die vermehrte Verbreitung solcher Gutshöfe lässt sich während der zweiten Hälfte des 17. Jhs. beobachten, als man die während der Osmanenherrschaft zerstörte dörfliche Instrastruktur neu organisierte. Mehrere von ihnen entstanden an früher bewohnten Orten, wie auch in Fenékpuszta. Der den Eigentum der Festetics Familie bildende Gut wurde ab den 1750er Jahren ausgebaut und erhielt wärend der 1800er Jahren ihre heute bekannte Hauptmerkmale. Vom Keszthelyer Schloss führte eine mit Bäumen gesäumter Weg nach Fenékpuszta, mehrere kleinere Höfe und Mühlen passierend. Der auf dem zweiten militärischen Vermessung der Österreich-Ungarischen Monarchie als „Puszta Fenék” bezeichnete Gutshof [link a terkephez!] verdankte ihre Bedeutung der Pferdezucht. Die besten Lipizzaner Pferde kamen in die Wiener Spanische Pferdeschule. Im Allgemeinen lässt sich feststellen, dass in der Rangordnung der mit unterschiedlichen Zielsetzungen erbeuten Gutshöfe zur Beginn des 19. Jhs. diejenige ganz oben standen, die sich auf die Pferdezucht spezialisierten. Deshalb erhielten sie eine anspruchvolle, represäntative Architektur. Die eigene Stimmung von Fenékpuszta hängt darüber hinaus mit der Nähe zum Balaton zusammen, zu der ein eigener Hafen und Schiffsbaugelände gehörte. Diese historisch geprägte Landschaft um das Schloss Keszthely, zu der auch Fenékpuszta gehörte, blieb bis zum 1945er Bodenreform ein typisches Großgrundbesitz. Die Siedlungsförderung während der zweiten Hälfte des 20. Jhs. bemühte sich aber bewusst den aristokratischen Anlitz der Landschaft zu verändern. In unmittelbarer Nähe entstand eine Leinenwebfabrik, aber noch entscheidender war, dass in den historischen Gebäuden des 19. Jhs. Wohneinheiten mit minimalem Komfort eingerichtet worden sind. Heute leben 30 bis 40 Familien hier. Seit den 1990er Jahren versucht man für den Gutshof neue Nutzungskonzepte zu erarbeiten, so entwickelte man z. B. die Idee eines Kutschenmusems. Inzwischen ist aber der historische Bausubstanz stark gefährdet, seine Zukunft ungwiss.

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Literatur:
Tamáska Máté: Falvak az uradalmak helyén. Martin Opitz Kiadó. Budapest 2013.
Benda Gyula: Zsellérből polgár - társadalmi változás egy dunántúli kisvárosban (Keszthely társadalma 1740-1849). L’Harmattan. Budapest 2008.
Fenékpusztának nem csak múltja van? (Riport Czoma Lászlóval, a keszthelyi Helikon Kastély volt igazgatójával 2010)

Varga Zoltán, Fenékpuszta 2013

Úsztatómajor

Fenékpuszta-Zala torkolat